Öko-Tipps Reise-Special

Sonnencreme und Meeresschutz: Wie umweltverträglich kann Sonnenschutz sein?

Wie schön doch so ein Tag am Meer sein kann: Sonne satt, von der Natur umgeben und die Erfrischung wartet im kühlen Nass. So weit, so schön! Wäre da nicht das Thema Sonnenschutz. Denn Sonnencreme soll unsere Haut vor schädlicher UV-Strahlung schützen, gleichzeitig gelangen beim Baden Bestandteile der Produkte ins Wasser. Hautschutz oder Meeresschutz? Zum Glück müssen wir uns nicht für eines von beidem entscheiden. Aber es lohnt sich, genauer hinzuschauen.

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Ein ausreichender UV-Schutz ist wichtig. Intensive UV-Strahlung schädigt die Haut und erhöht das Hautkrebsrisiko. Sonnencreme ist dabei nur ein Teil des Schutzes: Schatten, Kleidung, Kopfbedeckung und ein bewusster Umgang mit intensiver Mittagssonne kommen noch davor. Und dort, wo die Haut unbedeckt bleibt, gehört ein Sonnenschutzmittel mit ausreichend hohem Lichtschutzfaktor dazu.

Wie groß ist die Bedrohung für die Umwelt?

Sobald bestimmte UV-Filter wie Oxybenzon oder Octinoxat beim Baden ins Meer gelangen oder über das Abwasser in Gewässer eingetragen werden, können sie dort Korallen und andere Wasserorganismen belasten. Untersuchungen bringen verschiedene in Sonnenschutzmitteln eingesetzte UV-Filter unter anderem mit Korallenbleiche, Veränderungen bei Wachstum und Fortpflanzung sowie weiteren toxischen Effekten auf aquatische Organismen in Verbindung.

Korallenriffe sind von immenser Bedeutung für die Biodiversität der Meere. Sie bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum und gehören gleichzeitig zu den besonders empfindlichen Ökosystemen. Bestimmte UV-Filter können für Korallen einen zusätzlichen Stressfaktor darstellen und auch andere Meeresbewohner beeinträchtigen. Dabei sollte allerdings nicht vergessen werden: Die mit Abstand größte Bedrohung für Korallenriffe ist heute die Erwärmung und Versauerung der Meere infolge des Klimawandels.

Nachhaltige Sonnencreme mit Meeresschutz - -Gebleichte Koralle - Quelle: Wikipedia

Bildquelle: Wikipedia (CC BY 3.0)

Dieses Schicksal der Natur widerfährt ihr besonders an beliebten Touristen-Stränden immer heftiger. Allmählich wird versucht dagegen vorzugehen und vereinzelt chemischer Sonnenschutz sogar schon verboten. So tritt auf Hawaii ab Januar 2021 ein Gesetz in Kraft, dass Sonnencreme verbietet, wo Oxybenzone und Oktinoxate enthalten sind.

Chemische UV-Filter: Was ist dran an der Kritik?

Schätzungen zufolge gelangen jedes Jahr mehrere Tausend Tonnen Sonnenschutzmittel in Meeresregionen mit Korallenriffen. Auch Produkte, die als wasserfest gelten, bleiben beim Baden nicht vollständig auf der Haut: Bestandteile der Sonnencreme können ins Wasser gelangen und später auch über das Abwasser in Flüsse und Meere eingetragen werden.

Viele herkömmliche Sonnencremes nutzen organisch-chemische UV-Filter. Sie schützen die Haut, indem sie UV-Strahlung absorbieren. Einige dieser Filter werden zugleich kritisch untersucht. Bei Stoffen wie Oxybenzon, Octocrylen oder Homosalat gab und gibt es unter anderem Fragen zu möglichen hormonellen Wirkungen. Europäische Fachgremien haben deshalb einzelne UV-Filter neu bewertet und ihre zulässigen Einsatzkonzentrationen teilweise eingeschränkt. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass chemische UV-Filter grundsätzlich gesundheitsschädlich sind. In der EU zugelassene UV-Filter dürfen nur in den jeweils festgelegten Konzentrationen eingesetzt werden.

Auch Nanopartikel werden beim Sonnenschutz immer wieder diskutiert. Dabei sollte man sie nicht mit chemischen UV-Filtern verwechseln. Nanoformen kommen beispielsweise bei den mineralischen Filtern Titandioxid und Zinkoxid zum Einsatz, unter anderem damit Sonnencremes weniger stark weißeln. Nach aktuellem Kenntnisstand dringt zugelassenes Nano-Titandioxid in Cremes und Lotionen nicht durch die Haut in den Blutkreislauf ein. Anders bewertet wird eine mögliche Aufnahme über die Lunge, weshalb Anwendungen, bei denen entsprechende Partikel eingeatmet werden können, besonders betrachtet werden.

Nanomaterialien in Kosmetik müssen in der Inhaltsstoffliste mit dem Zusatz „nano“ gekennzeichnet werden. Wer auf solche Inhaltsstoffe verzichten möchte, kann sie dort also erkennen. Für uns bleibt vor allem wichtig, genauer hinzusehen: Welche UV-Filter enthält ein Produkt, welche davon sind für Mensch und Umwelt gut untersucht und welche zusätzlichen Inhaltsstoffe braucht eine Formulierung wirklich?

Bio- und Naturkosmetik als Sonnenschutz

Bei zertifizierter Naturkosmetik kommen als Sonnenschutz mineralische UV-Filter wie Titandioxid und Zinkoxid zum Einsatz. Sie absorbieren einen großen Teil der UV-Strahlung und streuen beziehungsweise reflektieren einen kleineren Teil. Gerade ältere mineralische Sonnencremes hinterließen dabei häufig einen deutlich sichtbaren weißen Film auf der Haut. Inzwischen gibt es Formulierungen, die sich wesentlich leichter verteilen lassen und weniger stark weißeln.

Für uns bleibt zertifizierte Naturkosmetik beim Sonnenschutz die überzeugendere Wahl. Der Grund ist nicht, dass „natürlich“ automatisch gesund oder umweltverträglich bedeutet, sondern dass anerkannte Standards die Auswahl der Inhaltsstoffe deutlich stärker begrenzen. So sind bei gängigen Naturkosmetiksiegeln unter anderem organisch-chemische UV-Filter, Silikone, PEG, mineralölbasierte Kunststoffe und Mikroplastik sowie zahlreiche weitere erdölbasierte Inhaltsstoffe ausgeschlossen. Auch bei Konservierungsstoffen ist die Auswahl deutlich eingeschränkt. Gerade mit Blick auf schwer abbaubare Kunststoffe und Stoffe, die über Kosmetikprodukte ins Abwasser und schließlich in die Umwelt gelangen können, finden wir diesen Ansatz sinnvoll.

Wichtig ist dabei die Zertifizierung. Die Begriffe „Naturkosmetik“ und „Bio-Kosmetik“ sind bei Kosmetik nicht gesetzlich geschützt und sagen allein noch nichts darüber aus, welche Standards ein Produkt erfüllt. Orientierung geben Siegel wie NATRUE oder COSMOS. Wer ausdrücklich Bio-Kosmetik sucht, sollte zusätzlich auf eine entsprechende „Organic“-Zertifizierung beziehungsweise auf gekennzeichnete Inhaltsstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau achten. „Bio“ ist also auch bei Kosmetik kein Begriff, den wir allein aufgrund einer natürlich wirkenden Rezeptur übernehmen würden.

Ein genauer Blick auf die Inhaltsstoffe lohnt sich trotzdem auch bei zertifizierter Naturkosmetik. Mineralische UV-Filter wie Titandioxid und Zinkoxid dürfen unter bestimmten Voraussetzungen auch in Nanoform eingesetzt werden, beispielsweise damit die Creme weniger stark weißelt. Nach aktuellem Kenntnisstand gelten die dafür zugelassenen Nanoformen bei der Anwendung auf der Haut als sicher; Nanomaterialien müssen in der Inhaltsstoffliste mit dem Zusatz „nano“ gekennzeichnet werden. Wer sie vermeiden möchte, kann dies dort erkennen.

Naturkosmetik ist damit kein Freifahrtschein für „umweltfreundlichen Sonnenschutz“. Aber die strengeren Regeln bei UV-Filtern, erdölbasierten Kunststoffen, Silikonen, PEG und weiteren Inhaltsstoffen sind für uns gute Gründe, zertifizierte Naturkosmetik zu bevorzugen.

Naturkosmetik Siegel - BDIH und NaTrue Label

Nachhaltiger Sonnenschutz fängt schon früh(er) an

Schon als Kind hat man von den Erwachsenen viele Ratschläge zum Thema Sonnenschutz gehört. Einige davon haben nichts an Aktualität verloren: intensive Mittagssonne möglichst meiden, regelmäßig schattige Plätze aufsuchen und möglichst viel Haut mit Kleidung bedecken.

Beim UV-Schutz von Kleidung entscheidet nicht allein das Material. Dichte, Farbe und Verarbeitung des Gewebes spielen eine wichtige Rolle. Wer länger intensiver Sonne ausgesetzt ist, kann sich zusätzlich am standardisierten UV-Schutzfaktor für Textilien, kurz UPF, orientieren.

Auch die Kopfbedeckung gehört dazu. Ein Sonnenhut mit breiter Krempe schützt nicht nur den Kopf, sondern spendet auch Gesicht und Nacken Schatten. Und gerade am Meer hat Kleidung noch einen weiteren Vorteil: Wo Stoff die Haut schützt, muss weniger Sonnencreme aufgetragen werden und entsprechend kann beim Baden auch weniger davon ins Wasser gelangen. Die Bräunung der Haut ist übrigens keine Einladung, auf Sonnenschutz zu verzichten. Sie ist bereits eine Reaktion der Haut auf UV-Strahlung und bietet lediglich einen begrenzten Eigenschutz.

Natürliche Alternative zu Sonnencreme: Ölen statt Cremen?

Naturbelassene Pflanzenöle wie Sesam- oder Kokosöl können die Haut pflegen und enthalten je nach Öl Fettsäuren, Vitamin E und weitere antioxidativ wirkende Pflanzenstoffe. Sie helfen dabei, die Haut geschmeidig zu halten und unterstützen ihre Pflege gerade nach Sonne, Salz- oder Chlorwasser.

Einige Pflanzenöle absorbieren außerdem einen kleinen Teil der UV-Strahlung. Gerade Sesam- und Kokosöl wurden deshalb früher immer wieder als natürlicher Sonnenschutz empfohlen. Ältere Untersuchungen beschrieben für Sesamöl eine UV-Absorption von etwa 30 Prozent und für Kokosöl von rund 20 Prozent. Daraus lässt sich allerdings kein verlässlicher Lichtschutzfaktor ableiten.

Neuere Untersuchungen unter standardisierten Bedingungen zeigen, dass der tatsächliche UV-Schutz naturbelassener Pflanzenöle sehr gering ist. Sie bieten weder einen ausreichend hohen noch einen zuverlässig geprüften UVA- und UVB-Schutz und können deshalb eine Sonnencreme mit ausgewiesenem Lichtschutzfaktor nicht ersetzen.

Spannend bleiben Pflanzenöle trotzdem für die Hautpflege. Sesamöl enthält beispielsweise antioxidative Pflanzenstoffe, die dabei helfen können, freie Radikale abzufangen. Solche reaktiven Moleküle entstehen unter anderem bei UV-Belastung und spielen bei Hautalterungsprozessen eine Rolle. Auch Kokosöl eignet sich für viele Hauttypen als pflegendes Öl. Das ist allerdings etwas anderes als ein zuverlässiger Schutz vor UV-Strahlung.

Wer sich länger in der Sonne aufhält, insbesondere am Meer, in den Bergen oder bei hoher UV-Belastung, sollte deshalb auf Schatten, schützende Kleidung und für unbedeckte Haut auf ein geprüftes Sonnenschutzmittel mit ausreichend hohem Lichtschutzfaktor setzen. Pflanzenöle können die Hautpflege ergänzen, aber nicht den Sonnenschutz ersetzen.

Nachhaltige Sonnencreme - Kokosoel als Sonnenschutz

Bildquelle: Wikipedia / Dr. Hannes Grobe

Auch Oliven-, Hanf- oder Jojobaöl sowie Sheabutter können die Haut pflegen und helfen, sie geschmeidig zu halten. Je nach Öl unterscheiden sich Fettsäurezusammensetzung, Konsistenz und antioxidative Pflanzenstoffe. Als verlässlicher Sonnenschutz eignen sie sich jedoch nicht: Die natürliche UV-Absorption ist zu gering und nicht standardisiert genug, um einen geprüften Lichtschutzfaktor zu ersetzen.

Auch bei ätherischen Ölen ist Vorsicht angebracht. Sie bieten keinen ausreichenden Sonnenschutz, und einige können die Haut unter UV-Einwirkung sogar lichtempfindlicher machen. Selbst gemischte Sonnencremes würden wir deshalb heute nicht mehr empfehlen. Ihr tatsächlicher Lichtschutzfaktor, UVA-Schutz, ihre Wasserfestigkeit und Haltbarkeit sind ohne standardisierte Prüfung nicht zuverlässig bestimmbar.

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Sonnencreme und Meeresschutz zusammendenken

Sowohl unsere Haut als auch die Natur müssen geschützt werden. Das ist kein Widerspruch, verlangt aber etwas mehr Aufmerksamkeit bei der Wahl und Anwendung von Sonnenschutz. Mittlerweile werben viele Produkte mit Begriffen wie „Ocean Protect“, „reef safe“ oder „korallenfreundlich“. Solche Aussagen klingen beruhigend, sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch ein Produkt ohne einzelne problematische UV-Filter nicht automatisch keinerlei Auswirkungen auf die Umwelt hat. Entscheidend ist, welche Inhaltsstoffe tatsächlich eingesetzt werden und wie gut ihre Umweltwirkungen untersucht sind.

Wir finden zertifizierte Naturkosmetik deshalb weiterhin eine interessante Wahl, besonders wenn Hersteller transparent über die eingesetzten UV-Filter und Inhaltsstoffe informieren. Gleichzeitig lässt sich der Eintrag von Sonnencreme ins Wasser ganz praktisch reduzieren: Schatten nutzen, Kleidung und UV-Shirts tragen und nur die unbedeckten Hautstellen eincremen. Und natürlich gehört zum Meeresschutz auch der Blick auf die Verpackung: möglichst wenig Plastik verwenden, Verpackungen lange nutzen und vor allem dafür sorgen, dass nichts davon am Strand oder im Meer landet.

Meeresschutz beginnt also nicht erst beim Kauf einer vermeintlich „umweltfreundlichen“ Sonnencreme. Er beginnt mit einem bewussteren Umgang mit Sonne, Haut und dem Wasser, in dem wir anschließend schwimmen möchten.

2 Kommentare

  1. Sonnencreme ist wirklich ein wichtiges Thema, da das jeder benutzt. Aber ich finde, bei Kosmetik allgemein sollte die Verantwortung eher beim Hersteller liegen, als beim Verbraucher. Beispielsweise gibt es heutzutage gute natürliche Alternativen zu Mikroplastik wie Obstkerne. Sowas ist aber aufgrund der Kosten wahrscheinlich einfach nicht lohnenswert…

  2. Sehr interessant! Ist ihnen auch bewusst, dass das „beruemte“ Zinkoxyd ein paradox an sich ist? Es reflektiert zwar die UV Strahlen, hat jedoch gleichzeitig einen austrocknenden Effekt für die Haut. Zudem schuetzt es nur vor den UVB Strahlen und nicht vir den tiefereindrungenden UVA Strahlen. Ganzheitlicher Sonnenschutz ist eine Wissenschaft für sich :,)!!.. Und das berühmte Zinkoxid schwimmt an der Oberfläche aller Gewässer und Meere. Wussten Sie, daß Zinkoxid nur durch Säure abbaubar ist…..? Also auch ein Dilemma für die Fauna…! Auf jeden Fall vielen Dank für Ihren Artikel.

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